Früh morgens brachen wir auf in Richtung Unterwallis. Verschiedene Umstände haben dazu geführt, dass wir anstatt zu sechst zu siebt unterwegs waren, was der Gruppenstimmung absolut zuträglich war, wie sich später herausstellen sollte.
Das Wetter war freundlich, als wir oberhalb von Champex den Aufstieg zur Hütte in Angriff nahmen. Auch hier führte ein Fehler zu glücklichen Umständen und wir übernachteten zweimal in der Cabane de Trient. Diese zu besuchen lohnt sich alleine wegen ihrer grandiosen Lage im Trientkessel und des leckeren Essens.
Die Zeit reichte am Samstag noch, um an den Felsen neben der Hütte warm zu werden (oder „einzuturnen“).
Die Wetterprognose stellte uns vor grosse Herausforderungen: Am Sonntag sollte uns ein einigermaßen schöner Morgen zustehen, bevor uns dann eine Schlechtwetterfront einholen sollte. Lange diskutierten wir am Vorabend, ob wir die paar Stunden für die Kletterei an der Pointe d’Orny nutzen oder doch in Richtung Aiguille du Tour aufbrechen sollten. Wir entschieden uns für die Pointe d’Orny.
Mit für die Mehrseillängentour gepacktem Rucksack standen wir bei schönster Morgenstimmung vor der Hütte, als Tourenleiter Michael uns schnell zum Umpacken schickte, damit wir aufgrund des Wetters doch in Richtung Gletscherplateau aufbrechen konnten.
So zogen wir los, um die Aiguille du Tour zu besteigen. Auf halben Weg, mit Blick in den Himmel und auf die vielen anderen Seilschaften, bogen wir aber spontan ab (nicht ohne vorher diskutiert und abgewogen zu haben) und genossen die tolle Kletterei auf die Tête Blanche.
Es schien, dass wir bald verregnet werden sollten, trotzdem wollten wir (auch wieder nach Diskussion) noch die Petite Fourche anhängen und so dem Wetter trotzen.
Auf dem Gipfel angelangt fiel Graupel und es windete ungemütlich, sodass wir damit rechneten, nun rasch in die Hütte flüchten zu müssen und uns auf den Weg dorthin machten. Doch der Himmel riss bereits nach kurzer Zeit wieder auf, sodass wir nach vielen Umwegen (und Diskussionen) nun doch noch die Aiguille du Tour anhängen wollten. Die Zeit reichte noch, um den Südgipfel zu besteigen und nochmals schönste Kletterei zu geniessen.
So konnten wir an diesem Tag ganz unverhofft drei statt einem (oder keinem) Gipfel besteigen und die wunderschöne Landschaft geniessen.
Am Montag liess das Wetter keine Diskussionen zu: Es regnete in Strömen und es blieb uns nur noch der rasche Abstieg nach Champex. Der erfüllte, ausgiebige Vortag versöhnte uns ein wenig für das nun schlechte Wetter und die verpasste Tour auf die Ponte d’Orny.
Unsere 10 Learnings aus diesem Wochenende:
1. Schüttelbrot isst man am besten neben einem Bergbach.
2. Wer viel arbeiten und wenig verdienen will, sucht sich einen Job bei der Steiner Schule.
3. Für die Einreise nach Schottland braucht es ein Visum.
4. Manchmal scheint es, dass es den Tourenleiter gar nicht braucht, und doch sind alle froh, ist er da.
5. Verletzte Trailrunner geben der Luftrettung besser ihre korrekten Standortkoordinaten an (gilt auch für Tourengänger).
6. Langnau ist schaurig weit weg von Davos.
7. Wer eine Modeshow von Mammut-Kleidern sehen will, geht am besten mit Mareike auf Tour.
8. Manche Teilnehmer:innen lösen aufgrund ihrer Erfahrung und Kompetenz beim Tourenleiter das Gefühl aus, überflüssig zu sein (siehe Punkt 4).
9. Ein Timer von 45 Minuten in der leeren Hüttenküche verheisst nichts gutes, wenn es bereits 19:15 Uhr ist und noch kein Essen auf dem Tisch steht.
10. Obacht mit „speziellen“ SAC-Gruppen; da muss viel diskutiert und entschieden werden (s. Punkt 4 und 8). Es wird aber auch mindestens so viel gelacht!
Vielen Dank Michael, für diese drei tollen Tourentage!
Leitung: Michael
Teilnehmer:innen: Mareike, Jasmin, Bettina, Jérôme, Samuel, Manuel
Bericht: Bettina Feddern

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